Die zierliche Elfenbein-Reiterstatuette zeigt eine der berühmtesten Herrscherpersönlichkeiten des 18. Jahrhunderts, Friedrich August I. (1670-1733), Kurfürst von Sachsen und König von Polen - besser bekannt als August der Starke. Sie erinnert an das monumentale Reiterstandbild in der Dresdner Neustadt, den „Goldenen Reiter“ (1732-1736), ist aber deutlich früher, nämlich schon um 1715 entstanden. Der Kurfürst und König ist als Feldherr in Harnisch und wallendem Mantel, mit Lorbeerkranz und Kommandostab (ursprünglich mit Degen) dargestellt, der sein sich aufbäumendes Pferd angemessen beherrscht. Dabei ist die Figur massiv aus Elfenbein, der Sockel aber im Kern aus Holz und nur mit Elfenbeinverkleidung gearbeitet.
Nach dem 2. Weltkrieg war die Statuette verschollen, konnte aber 2001 dank einer kombinierten Förderung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Kulturstiftung der Länder, den Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, den Freistaat Thüringen und das Kölner Kunsthauses Lempertz aus dem Kunsthandel für die Gothaer Sammlung zurückerworben werden. Das vergleichsweise grobe Monogramm ist eine spätere Zutat, wahrscheinlich zur „Aufwertung“ des Objekts im Kunsthandel. Auch die anderen goldenen Montierungen scheinen ehemals vorhandene elfenbeinerne ersetzt zu haben.
Agnes Strehlau