Die als „türkische Zeuge“ in die Sammlung Herzog Augusts (reg. 1804-1822) eingegangenen Muster verschiedener Stoffe und Webergebnisse sind eine bedeutende Wiederentdeckung bei der Tiefenrecherche zu Ulrich Jasper Seetzens Ankäufe für das „Orientalische Museum“, welche im Rahmen des Pilot- und Modellprojektes „Exemplarische Erschließung der Ethnographica in der Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha“ (GothaTransdigital2027) identifiziert wurden.
Es handelt sich um eine herausragende Sammlung von 33 Mappen/Stofftableaus mit Belegen orientalischer Webkunst um 1800. Ob Seetzen diese Muster in Konstantinopel oder in Aleppo erwarb, wo er sich ein Jahr lang aufhielt, Arabischunterricht nahm und konkret die Seidenproduktion studierte, ist noch nicht nachweisbar. Beim Besuch eines Seidenwebers machte er sich Notizen und dokumentierte akribisch einen Seidenwebstuhl. An jedem Stoffstück ist mit einer historischen Nadel ein beschriebenes Etikett fixiert, das den arabischen Namen des Stoffes dokumentiert und auf die Webtechnik verweist. Die Sammlung erlaubt einen Einblick in eine für Europäer hochgeschätzte Ressource für die sich entwickelnde Nachfrage nach orientalischen Produkten für die Einrichtung orientalisierter Zimmer, wo sich von der Seidenwandbespannung bis zum Möbelstoff ein großer Bedarf abzeichnete.
Kerstin Volker-Saad