Der kleine Erdglobus aus Marmor und Messing ist ein Einzelstück und unter den Gothaer Globen der älteste. In die grau-, braun- und rotgeäderte Marmorkugel wurden Gradnetz und Küstenlinien eingraviert bzw. geätzt; lateinische Ortsbezeichnungen sind in gelber Farbe aufgetragen, aber durch starken Abrieb teilweise nicht mehr lesbar. Die Kugel lagert in einem ebenfalls gravierten Messinggestell aus einem Horizont- und einem Meridianring auf vier Füßen. Auf dem Horizontring finden sich die zwölf Windnamen auf Latein und Griechisch.
Der Globus ist zwar weder signiert noch datiert, durch bestimmte Hinweise und Vergleiche lässt er sich jedoch nach Nürnberg oder Löwen in die Zeit um 1530 verorten. So wurde Amerika, wie bis Mitte des 16. Jahrhunderts noch üblich, als Halbinsel Asiens und noch nicht als eigenständiger Kontinent dargestellt. Die Erkenntnisse aus der Magallan’schen Weltumseglung von 1519-1522 wurden aber schon berücksichtigt. Die Beschriftungen der Südhalbkugel wurden so angebracht, dass sie - wenn der Südpol nach oben gedreht wird - problemlos lesbar sind. Bevor der Globus im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts unter Herzog Ernst dem Frommen oder seinem Sohn Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg in die Gothaer Kunstkammer kam, befand er sich vermutlich in der Sammlung von Basilius Amerbach (1519-1591) in Basel.
Agnes Strehlau