Das kleine achtpassige Henkelschälchen zum Weinprobieren besteht aus vergoldetem Kupfer und ist in der Mitte mit einen kleinen silbernen Bergmann versehen, der in einer Fassung ein Stück gediegen Silber trägt.
Auf dem äußeren Rand ist eine Inschrift eingraviert: „EISEN WAR ICH ZiMENt FRASS MiCH DAS WASSER MiCH TEMPERiRT BiN DARZU MiTT GOLDT GEZiERT“. Sie bezieht sich auf die scheinbar wundersame Umwandlung von Eisen in Kupfer, die man 1605 in Herrengrund (das heutige Špania Dola/Slowakei) entdeckt hatte.
Dank des Herrengrunder Grubenwassers - des sogenannten „Zementgewässers“ - wurde mittels Pseudomorphose aus Eisen Zementkupfer gewonnen. Daraus fertigten dann Kunsthandwerker in Neusohl (heute Banská Bystricá) kleine, meist schalen- oder becherförmige Trink-, Zier- und Scherzgefäße. Das Gothaer Gefäßpaar ist zudem, wie es im Mineralien-Inventar von 1764 heißt, „von chymischen Gold“, also außen und innen vergoldet und damit eine besonders prunkvolle Variante.
Um der symmetrischen barocken Aufstellung Rechnung zu tragen, gibt es ein zweites sehr ähnliches Schälchen, jedoch mit einem Stück gediegen Silber auf Quarz in der Mitte.
Agnes Strehlau