Die repräsentative Kassette ist architektonisch aufgebaut und kann mittels vergoldeter Silberscharniere zweifach geöffnet werden. Dabei wurden Bernstein-Täfelchen und -Ornamente in verschiedenen Farbtönen effektvoll miteinander kombiniert. Akzente setzen außerdem kleine Reliefs mit antikischen Szenen aus Elfenbein in der Sockelzone. Auch auf den zwei Zonen darüber sind Bernstein-Figuren aufgesetzt, die Krönung erhält der Kasten jedoch durch das zweiseitige Relief eines Herrschers: Kaiser Leopold I. (1640-1705) sitzt, mit Krone, Zepter und Reichsapfel ausgestattet, auf Spolien und niedergeworfenen türkischen Gefangenen. Diese Ikonografie legt eine Datierung auf die Zeit nach dem Sieg über die Osmanen vor Wien 1683 nahe.
Bereits 1678 schenkte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) dem Kaiser zum Thronjubiläum einen Bernstein-Thron, dessen Reliefs Leopold verherrlichten. In diesem Zusammenhang ist wohl auch diese Kassette zu sehen. Wie sie dann nach Gotha gelangte, ist nicht bekannt. Eine ehemals vermutete, aber fälschliche Identifizierung der Herrscherfigur mit Friedrich I., König in Preußen (1657-1713), ließ auf eine Überlieferung durch Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1710-1767) bzw. deren Stiefmutter Elisabeth Sophie (1674-1748), die Schwester Friedrichs, in die Gothaer Kunstkammer schließen.
Agnes Strehlau